CL-89 in Deutschland
Ausbildungsprogramm in Celle
Nach dem Eintreffen der ersten CL-89 begann in Celle die Ausbildung für die spätere Einführung des Systems in die Artillerietruppe. Vom 11. Januar bis zum 27. März 1971 wurde zunächst das eigene Personal als Ausbilder geschult. Ab dem 14. März 1971 begann die Ausbildung des Kaderpersonals der Artillerie und der Technischen Truppe.
| Drohnen-Flugplanungsdienst | 6 Wochen |
|---|---|
| Drohnen-Abschussdienst | 10 Wochen |
| Drohnen-Landedienst | 6 Wochen |
| Drohnen-Instandsetzungsdienst Mechanik | 8 Wochen |
| Drohnen-Instandsetzungsdienst Elektronik | 8 Wochen |
Das Ausbildungsvorhaben erstreckte sich mit Unterbrechungen für Wartung und Instandsetzung des Ausbildungsgerätes sowie für weitere dienstliche Erfordernisse bis Ende 1972. Jeder Ausbildungsblock sollte mit zehn Flügen der ausgebildeten Soldaten abgeschlossen werden.
Flugsicherheit im Friedensflugbetrieb
Die Musterprüfstelle der Bundeswehr für Luftfahrtgerät (MBL) hatte die CL-89 zunächst noch nicht für Flüge im allgemeinen Luftraum der Bundesrepublik Deutschland freigegeben. Der Flugbetrieb mit unbemannten Luftfahrzeugen wurde daher auf den Truppenübungsplatz Bergen-Hohne beschränkt und musste fortlaufend überwacht werden.
Gefordert waren eine lückenlose Radarverfolgung des Flugweges, die laufende Funktionskontrolle wichtiger Baugruppen durch Telemetrie sowie die Möglichkeit, mit Rechts- und Linkskommandos in den Flug einzugreifen und bei Bedarf eine Notlandung durch Fallschirmauslösung einzuleiten. Wegen der geringen Radarreflexionsfläche der Drohne wurde ein Transponder eingebaut. Hinzu kamen Telemetrie- und Kommandosender mit den zugehörigen Antennen.
Die Bodenausstattung umfasste:
- das Zielverfolgungsradar „Fledermaus“ der Firma Contraves, Zürich,
- einen Telemetriewagen zum Empfang, zur Anzeige und zur Aufzeichnung der Telemetriesignale,
- einen Kommandowagen mit Flugweganzeige, Lenkeinrichtung und Notlandeauslösung.
Diese Einrichtungen und das zugehörige Personal bildeten die Flugkontrollgruppe Drohne.
1. August 1971
Erster Flug einer CL-89 in Deutschland im Rahmen von zehn durch die MBL angeordneten Flügen zum Nachweis der Flugsicherheit.
Die Nachweisflüge verliefen erfolgreich; anschließend wurde die Flugfreigabe erteilt. Es folgten sogenannte „Europäisierungsflüge“ unter den in Deutschland herrschenden Witterungsbedingungen. Nach deren Abschluss konnten die Ausbildungs- und Prüfungsflüge als Abschluss der Kaderausbildung beginnen.
Flugablauf der CL-89
Die Drohne befand sich auf einem Start- und Transportgestell eines 5-t-Lkw. Nach dem Startkommando erfolgte zunächst eine automatische Systemprüfung. Anschließend wurde die Drohne in Startstellung aufgerichtet, das Triebwerk gestartet und auf Reiseflugleistung gebracht. Nach dem Trennen der Versorgungsleitungen beschleunigte eine Starthilfsrakete die Drohne auf etwa 740 km/h und brachte sie auf ungefähr 300 Meter Flughöhe.
Danach flog die CL-89 den zuvor berechneten und im Programmgerät gespeicherten Kurs zum Aufklärungsziel. Nach der Aufnahme der Ziele kehrte sie zum vorgesehenen Landeplatz zurück. Dort wurde zunächst ein Hilfsfallschirm, anschließend der Hauptfallschirm ausgelöst. Zwei Landeluftkissen dämpften den Aufprall. Vom Start bis zur Landung lief der Flug nach dem Startkommando vollautomatisch ab.
Vorführungen und internationale Zusammenarbeit
Zu den weiteren Aktivitäten gehörten am 26. und 27. Februar 1970 eine Vorstellung des Systems während der Übung „MIXED GRILL“ vor Offizieren der Northern Army Group, am 5. August 1971 eine Demonstration vor rund 1.000 Reserveoffizieren aus zwölf NATO-Staaten beim 24. CIOR-Kongress sowie ab dem 10. August 1971 Demonstrationsflüge auf dem Truppenübungsplatz Salto di Quirra auf Sardinien. Dort arbeiteten Drohneneinheiten aus Großbritannien, Kanada und Deutschland vor Teilnehmern aus 13 NATO-Staaten zusammen.
